Website usability testen und die nutzererfahrung wirklich verbessern
- Huu Nhan Ta
- 11. Jan.
- 13 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Jan.
Website-Usability zu testen, ist keine optionale Fleißaufgabe, sondern eine absolut geschäftskritische Investition. Im Kern geht es darum, ganz systematisch herauszufinden, wie einfach und intuitiv echte Menschen Ihre Website bedienen können. Das Ziel? Direkt messbare Erfolge, wie höhere Verkaufszahlen und treuere Kunden.
Warum das Testen der Website-Usability den Unterschied macht
Viele sehen ihre Website immer noch als eine Art digitale Visitenkarte: einmal erstellt, für immer fertig. In der Realität ist sie aber ein lebendiges Werkzeug, das über Erfolg und Misserfolg im Netz entscheiden kann. Es zählt nicht, ob ein Button „schön“ aussieht, sondern ob er von den Nutzern gefunden und geklickt wird. Der direkteste Weg zu besseren Geschäftsergebnissen führt über eine intuitive Nutzerführung.
Stellen Sie es sich einmal vor: Ein potenzieller Kunde ist frustriert, weil er den Warenkorb nicht findet oder ein Formular ihn zur Verzweiflung treibt. Was passiert? Er verlässt die Seite – und kommt wahrscheinlich nie wieder. Jede dieser kleinen Hürden kostet Sie bares Geld.
Mehr als nur hübsche Oberflächen: handfeste Geschäftsvorteile
Wenn Sie Ihre Website proaktiv auf ihre Benutzerfreundlichkeit testen, bekommen Sie unbezahlbare Einblicke direkt von Ihrer Zielgruppe. Statt Designentscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen, erhalten Sie klares, umsetzbares Feedback.
Die Vorteile sind konkret und lassen sich in Zahlen fassen:
Höhere Conversion-Rates: Wenn Nutzer mühelos finden, was sie suchen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine gewünschte Aktion ausführen – sei es ein Kauf, eine Anfrage oder eine Newsletter-Anmeldung.
Stärkere Kundenbindung: Eine positive Erfahrung schafft Vertrauen. Und zufriedene Nutzer kommen gerne wieder.
Niedrigere Absprungraten: Eine logische und einfach zu bedienende Seite fesselt Besucher länger und verhindert, dass sie frustriert zur Konkurrenz wechseln.
Ein reibungsloser Nutzerfluss ist kein Luxus, sondern das Fundament für nachhaltigen digitalen Erfolg. Schon kleine, gezielte Anpassungen können den Unterschied zwischen einem flüchtigen Besucher und einem loyalen Kunden ausmachen.
Rechtliche Notwendigkeit und strategische Relevanz
Ab dem 28. Juni 2025 wird Barrierefreiheit durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für die meisten digitalen Produkte und Dienstleistungen zur Pflicht. Usability-Tests sind ein entscheidender Schritt, um sicherzustellen, dass Ihre Website für wirklich alle zugänglich ist und Sie die rechtlichen Vorgaben erfüllen.
Doch es geht nicht nur um Paragrafen. Der aktuelle Branchenreport der German UPA zeigt: 62 % der UX-Profis bewerten ihren Beitrag für Unternehmen als strategisch relevant. Gleichzeitig ist mangelnde Investitionsbereitschaft oft das größte Hindernis – und das, obwohl schon kleine Verbesserungen der Conversion-Rate schnell zu fünf- bis sechsstelligen Mehrumsätzen führen können.
Ein durchdachtes Nutzererlebnis ist also nicht nur eine Frage der Freundlichkeit, sondern vor allem der wirtschaftlichen Vernunft. In unserem Artikel zeigen wir Ihnen, wie gutes UX-Design Ihre Website in einen Kundenmagneten verwandelt.
Die passende Testmethode für Ihre Ziele finden
Die Welt der Usability-Tests ist riesig, aber keine Sorge – die richtige Methode zu finden, ist einfacher, als es klingt. Der Trick ist, sich zuerst über die eigenen Ziele im Klaren zu sein. Sobald Sie wissen, was Sie herausfinden möchten, ergibt sich der Rest fast von selbst. So finden Sie den Ansatz, der perfekt zu Ihrem Budget, Ihrem Zeitplan und Ihren Fragen passt.
Moderiert oder unmoderiert: Der erste große Unterschied
Die grundlegendste Entscheidung, die Sie treffen müssen, ist, ob Sie den Test live begleiten oder ihn automatisiert ablaufen lassen.
Ein moderierter Test ist im Grunde ein geführtes Gespräch. Sie oder ein geschulter Moderator sitzen (virtuell oder persönlich) mit dem Teilnehmer zusammen, beobachten ihn bei der Bearbeitung der Aufgaben und können gezielt nachfragen. Das ist pures Gold, um das "Warum" hinter den Klicks zu verstehen und tiefgehende, qualitative Einblicke zu gewinnen.
Unmoderierte Tests laufen dagegen vollautomatisch. Die Teilnehmer bekommen ihre Aufgaben über eine Software wie UserTesting oder Maze und arbeiten sich selbstständig durch. Das liefert Ihnen schnell Daten von einer viel größeren Gruppe. Perfekt, um Hypothesen zu validieren oder knallharte Zahlen zu erheben, ohne selbst stundenlang zusehen zu müssen.
Remote oder persönlich: Wo soll der Test stattfinden?
Die nächste Frage dreht sich um den Ort. Holen Sie die Leute zu sich ins Büro oder testen Sie bequem über das Internet?
Persönliche Tests sind unschlagbar, wenn es um nonverbale Signale geht. Ein kurzes Zögern, ein Stirnrunzeln – all das sehen Sie nur, wenn die Person direkt vor Ihnen sitzt. Das ist besonders wertvoll bei komplexen Prototypen oder wenn Sie ein physisches Produkt im Zusammenspiel mit Ihrer Website testen. Der logistische Aufwand und die Kosten sind natürlich höher.
Remote-Tests sind heute der Standard – und das aus gutem Grund. Sie sind unglaublich flexibel. Sie können Teilnehmer aus dem ganzen Land oder sogar weltweit rekrutieren und sparen sich die Kosten für Anreise und Raummiete. Für die meisten digitalen Produkte ist das der effizienteste Weg, um schnell an wertvolles Feedback zu kommen.
Dieser einfache Entscheidungsbaum fasst ganz gut zusammen, wann Usability-Tests für Ihr Unternehmen unverzichtbar werden.

Man sieht es deutlich: Sobald eine Website geschäftliche Ziele verfolgt, ist die Benutzerfreundlichkeit kein „Nice-to-have“ mehr, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.
Qualitativ oder quantitativ: Geschichten oder Zahlen?
Zuletzt müssen Sie entscheiden, welche Art von Daten Sie sammeln möchten. Wollen Sie die Geschichten hinter dem Nutzerverhalten verstehen oder harte, messbare Fakten?
Qualitative Methoden (z. B. moderierte Interviews, die „Think-Aloud“-Methode) konzentrieren sich auf Beobachtungen und direktes Feedback. Sie decken die Ursachen für Probleme auf und beantworten die Frage, warum ein Nutzer an einer Stelle frustriert ist.
Quantitative Methoden (z. B. A/B-Tests, Heatmaps, Umfragen) liefern Ihnen messbare Daten. Sie zeigen Ihnen, was auf Ihrer Seite passiert – zum Beispiel, dass 70 % der Nutzer eine wichtige Aufgabe nicht abschließen.
Mein Tipp aus der Praxis: Die mit Abstand besten Erkenntnisse liefert eine Kombination aus beidem. Nutzen Sie quantitative Daten, um die „Hotspots“ – also die größten Problemzonen – zu finden. Dann tauchen Sie mit qualitativen Methoden tief ein, um die Ursachen zu ergründen.
Stellen Sie sich einen mittelständischen Onlineshop vor. Die Analytics zeigen eine hohe Abbruchrate im Checkout (das Was). Ein anschließender moderierter Remote-Test mit fünf Nutzern deckt auf, dass ein unklar beschriftetes Feld für die Lieferadresse die meisten zur Verzweiflung treibt (das Warum). Zack – Sie haben nicht nur das Problem identifiziert, sondern auch gleich den Lösungsansatz.
Vergleich der Usability-Testmethoden
Diese Tabelle hilft Ihnen, schnell die passende Testmethode basierend auf Ihren Zielen, Ihrem Budget und Ihrem Zeitrahmen zu finden.
Methode | Ideal für | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
Moderiert & Persönlich | Komplexe Prototypen, tiefgehende qualitative Einblicke, Beobachtung nonverbaler Reaktionen. | Höchste Datenqualität, direkte Rückfragen möglich, baut Beziehung zum Teilnehmer auf. | Sehr hoher Zeit- und Kostenaufwand, geografisch begrenzte Teilnehmerauswahl. |
Moderiert & Remote | Detailliertes Feedback zu Designs und Workflows, Verständnis für Nutzerkontext. | Flexibel und kosteneffizienter als In-Person, breitere Teilnehmerrekrutierung. | Keine Beobachtung nonverbaler Signale, technische Hürden (Software, Verbindung) möglich. |
Unmoderiert & Remote | Schnelle Validierung von Hypothesen, quantitative Messungen (z. B. Erfolgsrate), A/B-Tests. | Sehr schnell, große Stichproben möglich, geringe Kosten, skalierbar. | Keine tiefgehenden Einblicke in das "Warum", Risiko von Missverständnissen bei den Aufgaben. |
Quantitativ (Analytics) | Identifikation von Problembereichen (z. B. hohe Absprungraten), Messung von KPIs. | Große Datenmengen, zeigt reales Nutzerverhalten, läuft kontinuierlich. | Erklärt nicht die Ursachen, Interpretation der Daten kann komplex sein. |
Am Ende gibt es nicht die eine perfekte Methode. Die Kunst besteht darin, die Ansätze clever zu kombinieren, um ein vollständiges Bild davon zu bekommen, wie Menschen Ihre Website wirklich erleben.
So bereiten Sie einen erfolgreichen Usability-Test vor
Ein guter Test steht und fällt mit der Planung. Ohne eine klare Strategie sammeln Sie vielleicht interessante Meinungen, aber keine Daten, die Ihnen wirklich weiterhelfen. Die Vorbereitung ist das A und O, um am Ende nicht nur zu wissen, was Nutzer tun, sondern vor allem auch, warum sie es tun.

Bevor Sie auch nur einen einzigen Teilnehmer kontaktieren, muss das Fundament stehen: glasklare Ziele, realistische Aufgaben und die passenden Messgrößen.
Klare Testziele definieren
Alles beginnt mit der zentralen Frage: Was genau wollen wir herausfinden? Vage Ziele wie „sehen, ob die Seite gut ankommt“ führen zu ebenso vagen Ergebnissen. Formulieren Sie stattdessen präzise, messbare Hypothesen, die Sie im Test bestätigen oder widerlegen können.
Gute Testziele klingen zum Beispiel so:
„Verstehen neue Nutzer innerhalb von zwei Minuten, was unser Kernprodukt ist und für wen es gedacht ist?“
„Schaffen es mindestens 80 % der Teilnehmer, vom Produkt bis zum Kaufabschluss zu gelangen, ohne Hilfe zu benötigen?“
„Wo liegen die drei größten Hürden, die Nutzer davon abhalten, unser Kontaktformular auszufüllen?“
Diese Klarheit im Vorfeld ist Gold wert. Sie hilft nicht nur bei der Erstellung der Aufgaben, sondern gibt Ihnen später bei der Auswertung einen klaren Fokus. Sie wissen genau, worauf Sie achten müssen.
Realistische Aufgaben für echte Einblicke entwickeln
Die wahre Kunst guter Testaufgaben liegt darin, ein realistisches Szenario zu schaffen, ohne die Lösung schon vorwegzunehmen. Sagen Sie also nicht: „Klicken Sie auf den Button ‚Jetzt kaufen‘, um den Artikel in den Warenkorb zu legen“. Geben Sie stattdessen eine offene, zielorientierte Aufgabe.
Mein Tipp aus der Praxis: Formulieren Sie Aufgaben immer aus der Perspektive des Nutzers, nicht aus der Ihres Unternehmens. Geben Sie ein nachvollziehbares Motiv an – das spiegelt eine echte Nutzungssituation wider.
Ein Beispiel für eine gelungene Aufgabenstellung: „Stellen Sie sich vor, Sie suchen ein Geburtstagsgeschenk für einen Freund, der gerne wandert. Finden Sie auf unserer Seite eine passende wasserdichte Jacke unter 150 € und legen Sie alles für den Kauf bereit.“ Diese Aufgabe liefert Kontext und ein klares Ziel, lässt dem Nutzer aber alle Freiheiten, seinen eigenen Weg zu finden.
Um hier nicht bei null anfangen zu müssen, haben sich verschiedene Leitfäden bewährt. In Deutschland gibt es zum Beispiel tolle, praxisnahe Formate wie das „Usability Testessen“, bei dem Produkte in kurzen Sessions auf Herz und Nieren geprüft werden. Auch internationale Vorlagen, etwa von Hotjar, finden hierzulande Anklang, um Tests systematisch aufzusetzen. Diese Ressourcen senken die Einstiegshürde enorm. Mehr über solche praxisnahen Testformate erfahren Sie auf conciso.de.
Die richtigen Teilnehmer rekrutieren
Der Erfolg Ihres Tests hängt massiv davon ab, wen Sie testen. Es bringt rein gar nichts, Ihr hochspezialisiertes B2B-Software-Portal von Studenten testen zu lassen, die meilenweit von Ihrer Zielgruppe entfernt sind. Erstellen Sie also ein kurzes Profil Ihrer idealen Testperson: Was sind die demografischen Merkmale? Welche technischen Vorkenntnisse hat sie? Und welche Beziehung hat sie zu Ihrem Produkt oder Ihrer Branche?
Hier sind ein paar bewährte Wege, um passende Teilnehmer an Bord zu holen:
Bestandskunden ansprechen: Nutzen Sie Ihren Newsletter oder Ihre Social-Media-Kanäle. Loyale Kunden helfen oft gerne.
Professionelle Agenturen beauftragen: Dienstleister wie TestingTime oder UserTesting haben riesige Pools an Testern und können sehr spezifische Zielgruppen für Sie rekrutieren.
Soziale Netzwerke nutzen: Suchen Sie in thematisch passenden Gruppen auf LinkedIn oder Facebook nach Freiwilligen.
Denken Sie daran, immer eine kleine Aufwandsentschädigung anzubieten, zum Beispiel einen Gutschein. Das steigert nicht nur die Teilnahmebereitschaft, es ist auch ein Zeichen der Wertschätzung für die Zeit und das Feedback der Teilnehmer.
Die wichtigsten Kennzahlen zur Messung festlegen
Um am Ende nicht nur auf Ihr Bauchgefühl angewiesen zu sein, brauchen Sie handfeste Metriken. Diese Kennzahlen machen Ihre Ergebnisse objektiv und vergleichbar.
Diese drei Metriken haben sich in der Praxis bewährt:
Erfolgsrate (Task Success Rate): Ganz einfach: Wie viel Prozent der Teilnehmer haben eine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen?
Zeitaufwand (Time-on-Task): Wie lange braucht ein Nutzer im Durchschnitt, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen? Lange Zeiten deuten auf Probleme hin.
System Usability Scale (SUS): Das ist ein standardisierter Fragebogen mit zehn Fragen, der nach dem Test ausgefüllt wird. Er liefert einen schnellen, international vergleichbaren Wert für die empfundene Benutzerfreundlichkeit. Ein SUS-Score über 68 gilt als überdurchschnittlich gut.
Die Kombination dieser quantitativen Daten mit Ihren qualitativen Beobachtungen aus dem Test liefert Ihnen das vollständige Bild – und damit eine solide Grundlage für die nächsten Optimierungsschritte.
Typische Usability-Hürden in der Praxis erkennen
Viele Websites kämpfen mit denselben wiederkehrenden Problemen. Wenn Sie selbst Website Usability Tests durchführen, werden Sie schnell Muster erkennen, die Nutzer frustrieren und im schlimmsten Fall zum Abbruch führen. Diese typischen Fallen zu kennen, ist Gold wert – es hilft Ihnen, bei Ihren eigenen Tests gezielt hinzusehen und genau die Schwachstellen aufzudecken, die den größten negativen Einfluss auf Ihren Erfolg haben.

Ein absoluter Klassiker ist eine unklare oder verwirrende Navigation. Nutzer finden den Weg zum Warenkorb nicht, suchen verzweifelt nach den Kontaktinformationen oder verstehen die Menüpunkte einfach nicht. Das Ergebnis ist immer dasselbe: Verwirrung und Abbruch.
Ein weiterer kritischer Bereich sind Formulare. Egal ob es sich um eine simple Kontaktanfrage oder den komplexen Checkout-Prozess handelt – wenn Felder unverständlich beschriftet sind, die Fehlermeldungen nicht weiterhelfen oder der Prozess unnötig in die Länge gezogen wird, verlieren Sie wertvolle Leads und Kunden.
Barrierefreiheit als geschäftskritisches Thema
Ein oft unterschätztes, aber immens wichtiges Thema ist die digitale Barrierefreiheit. Hier geht es längst nicht mehr nur darum, eine kleine Nische zu bedienen. Es geht darum, Ihre Website für alle zugänglich zu machen – und ganz nebenbei auch rechtliche Risiken zu vermeiden. Fehlende Farbkontraste, eine nicht funktionierende Tastaturbedienung oder fehlende Alternativtexte für Bilder schließen Menschen systematisch aus.
Barrierefreiheit ist kein „Nice-to-have“, sondern ein fundamentaler Bestandteil einer guten User Experience. Eine barrierefreie Website ist am Ende für jeden Nutzer einfacher und angenehmer zu bedienen.
Alarmierende Zahlen zeigen, wie groß der Handlungsbedarf ist. Ein Test der 65 meistbesuchten deutschen E-Commerce-Webshops offenbarte, dass nur etwa ein Drittel als wirklich barrierefrei gelten konnte. Lediglich 20 von 65 Websites waren vollständig ohne Maus bedienbar. Wie Sie Ihre Website barrierefrei für Menschen mit Behinderungen machen, ist daher ein entscheidender Schritt. Die Untersuchung zeigte auch, dass oft ein sichtbarer Tastaturfokus fehlte, was die Navigation für viele unmöglich macht. Die kompletten Ergebnisse des Webshop-Tests von Aktion Mensch und Google legen das ganze Ausmaß des Problems offen.
Weitere häufige Usability-Fallen
Halten Sie bei Ihren Tests die Augen nach diesen Stolpersteinen offen, denn sie tauchen in der Praxis immer wieder auf:
Unklare Call-to-Actions (CTAs): Buttons mit Beschriftungen wie „Weiter“ oder „Senden“ sagen nichts aus. Nutzer müssen sofort wissen, was passiert, wenn sie klicken, zum Beispiel: „Jetzt kostenpflichtig bestellen“.
Lange Ladezeiten: Jede Sekunde zählt. Eine langsame Seite führt nachweislich zu höheren Absprungraten und schlechteren Conversion-Rates. Das ist keine Meinung, sondern ein Fakt.
Fehlende mobile Optimierung: Die Darstellung und Bedienung auf dem Smartphone ist heute wichtiger denn je. Menüs, die sich nicht öffnen lassen, oder zu kleine Schriftarten sind absolute K.o.-Kriterien.
Verwirrende Sprache: Fachjargon oder leere Marketing-Floskeln, die Ihre Zielgruppe nicht versteht, schaffen nur Distanz und Unsicherheit. Sprechen Sie die Sprache Ihrer Kunden.
Diese Hürden sind oft die „Quick Wins“ Ihrer Usability-Analyse. Schon kleine Anpassungen an diesen Stellen können die Nutzererfahrung spürbar verbessern und sich direkt in besseren Ergebnissen niederschlagen.
Testergebnisse in umsetzbare Maßnahmen verwandeln
Nach den Tests haben Sie einen Berg an wertvollem Feedback gesammelt. Super! Aber jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Rohe Daten und Notizen sind pures Potenzial – der wahre Wert entsteht erst, wenn Sie daraus einen klaren Plan schmieden. Ein Test ist erst dann erfolgreich, wenn er nicht nur eine Liste von Problemen liefert, sondern konkrete nächste Schritte aufzeigt.
Der erste Schritt ist, Ordnung ins Chaos zu bringen und die Erkenntnisse zu bündeln. Es geht darum, Muster zu erkennen. Schauen Sie über einzelne Kommentare hinaus und suchen Sie nach Themen, die immer wieder auftauchen. Haben mehrere Teilnehmer an derselben Stelle im Checkout-Prozess gezögert? Gab es Verwirrung über die Bedeutung eines bestimmten Icons?
Genau hier kommt die Magie ins Spiel, wenn Sie quantitative Daten mit qualitativen Einblicken verknüpfen. Eine niedrige Erfolgsrate von nur 40 % bei einer Aufgabe ist eine harte Zahl, die man nicht ignorieren kann. Aber erst die frustrierten Kommentare der Nutzer („Ich wusste nicht, wohin ich klicken soll!“) verraten Ihnen das Warum dahinter. Diese Kombination ist der Schlüssel, um die Wurzel eines Problems zu packen, anstatt nur an den Symptomen herumzudoktern.
Von der Beobachtung zur priorisierten Aufgabe
Sobald Sie die Kernprobleme auf dem Tisch haben, stellt sich die nächste, entscheidende Frage: Wo fangen wir an? Nicht jedes Problem hat die gleiche Dringlichkeit oder den gleichen Einfluss auf Ihr Geschäft. Eine smarte Priorisierung ist der Schlüssel, um mit begrenzten Ressourcen die größtmögliche Wirkung zu erzielen.
Eine Methode, die sich in der Praxis immer wieder bewährt hat, ist die einfache Priorisierungsmatrix. Hier bewerten Sie jedes gefundene Problem anhand von zwei simplen Kriterien:
Wirkung (Impact): Wie stark bremst dieses Problem den Nutzer aus und schadet unseren Geschäftszielen? Ein Bug, der einen Kauf komplett verhindert, hat natürlich eine viel höhere Wirkung als ein kleiner Tippfehler im Footer.
Aufwand (Effort): Wie schnell und einfach kann unser Team das Problem beheben? Ist das eine kleine Textänderung, die in fünf Minuten erledigt ist, oder erfordert es eine komplette Neuentwicklung einer Funktion, die Wochen dauert?
Tipp aus der Praxis: Konzentrieren Sie sich immer zuerst auf die „Quick Wins“. Das sind die Probleme mit hoher Wirkung und geringem Aufwand. Diese schnellen Erfolge motivieren das gesamte Team und verbessern die User Experience sofort spürbar.
Ein klassischer Quick Win wäre zum Beispiel, einen missverständlichen Button-Text umzubenennen. Das kostet fast keine Zeit, kann aber die Erfolgsrate einer wichtigen Aktion, wie dem Hinzufügen eines Produkts zum Warenkorb, spürbar nach oben treiben.
Ergebnisse klar und verständlich kommunizieren
Ihre brillante Analyse ist wertlos, wenn Ihr Team sie nicht versteht und nichts damit anfangen kann. Vermeiden Sie deshalb lange, textlastige Berichte, die ohnehin niemand liest. Bereiten Sie die Ergebnisse stattdessen visuell, snackable und auf den Punkt gebracht auf.
Eine einfache, aber extrem wirkungsvolle Struktur für Ihr Reporting könnte so aussehen:
Zusammenfassung: Die 3 wichtigsten Erkenntnisse in wenigen Sätzen. Direkt am Anfang, damit jeder sofort weiß, worum es geht.
Problembeschreibung: Zeigen Sie klar, was schiefläuft. Am besten untermauert mit einem prägnanten Zitat oder einem kurzen Videoclip aus dem Test – das wirkt Wunder!
Daten: Liefern Sie die harten Fakten. Zum Beispiel: „4 von 5 Testern scheiterten an dieser Aufgabe.“
Handlungsempfehlung: Geben Sie eine ganz konkrete, umsetzbare Anweisung. Statt „Button verbessern“ schreiben Sie: „Button-Text von ‚Weiter‘ zu ‚Jetzt sicher zur Kasse‘ ändern“.
Priorität: Weisen Sie eine klare Prio basierend auf Ihrer Matrix zu (z. B. Hoch/Mittel/Niedrig).
Dieser strukturierte Ansatz stellt sicher, dass alle Beteiligten – vom Entwickler bis zur Geschäftsführung – sofort verstehen, was zu tun ist. Eine optimierte Nutzerführung ist Gold wert, besonders auf Seiten, die ein klares Ziel verfolgen. In unserem Leitfaden erfahren Sie mehr über den perfekten Aufbau einer Landingpage, die Besucher konvertiert. So stellen Sie sicher, dass Ihre Verbesserungen direkt auf Ihre Geschäftsziele einzahlen.
Fragen aus der praxis zum usability testing
Hier habe ich die Fragen zusammengefasst, die mir in der Praxis am häufigsten begegnen, wenn es um das Thema Website-Usability geht. Die Antworten sollen letzte Zweifel aus dem Weg räumen und Ihnen den nötigen Schubs geben, um selbstbewusst ins Testen einzusteigen.
Wie viele teilnehmer brauche ich wirklich für einen test?
Diese Frage kommt wirklich jedes Mal. Und die Antwort überrascht viele, denn sie ist viel unkomplizierter als gedacht. Die Faustregel, die sich seit Jahren in der Praxis bewährt hat, lautet: Mit nur fünf Testpersonen finden Sie bereits rund 85 % der gröbsten Usability-Probleme auf Ihrer Website.
Die Logik dahinter ist eigentlich ganz einfach: Die ersten paar Nutzer stolpern zwangsläufig über die offensichtlichsten Hürden. Jeder weitere Teilnehmer wird zwar immer noch das eine oder andere neue, oft kleinere Problem aufdecken, aber der Erkenntnisgewinn pro Testperson flacht rapide ab. Statt also ein riesiges Projekt mit 20 Leuten zu planen, ist es viel cleverer, mehrere kleine Testrunden mit je fünf Teilnehmern zu machen. So können Sie das Feedback direkt umsetzen, die Version verbessern und dann erneut testen. Das ist agil und ressourcenschonend.
Was kostet ein usability-test?
Die Kosten können wirklich von null bis zu mehreren tausend Euro reichen. Es kommt ganz darauf an, welchen Weg Sie wählen und wie tief Sie einsteigen wollen.
Guerilla-Testing für den schmalen Geldbeutel: Sie schnappen sich einfach Kollegen, Freunde oder fragen jemanden im Café, ob er kurz eine Aufgabe auf Ihrer Website lösen kann. Kostenpunkt: quasi null. Der Haken ist natürlich, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ für Ihre Zielgruppe sind, aber für ein erstes Bauchgefühl reicht es oft schon.
Unmoderierte Remote-Tests über Plattformen: Hier nutzen Sie Tools wie UserTesting oder Maze und zahlen pro Teilnehmer. Rechnen Sie hier mit einem Budget von etwa 50 bis 150 Euro pro Person.
Der Rundum-sorglos-Weg mit einer Agentur: Wenn Sie alles aus der Hand geben – von der Rekrutierung der perfekten Zielgruppe über die Moderation bis hin zur professionellen Auswertung –, dann bewegen sich die Kosten schnell im vierstelligen Bereich.
Mein Tipp aus Erfahrung: Sehen Sie Usability-Tests nie als Kostenblock, sondern als knallharte Investition. Jeder Euro, den Sie in ein besseres Nutzererlebnis stecken, zahlt sich oft hundertfach aus – durch mehr Conversions, zufriedenere Kunden und weniger Geld, das Sie später in teure Nachbesserungen stecken müssen.
Kann ich usability-tests selbst durchführen?
Ein klares Ja! Sie müssen kein studierter UX-Forscher sein, um wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Mit der Anleitung aus diesem Guide, einer klaren Vorstellung davon, was Sie herausfinden wollen, und einer gesunden Portion Empathie können Sie absolut wirkungsvolle Tests selbst auf die Beine stellen.
Der wichtigste Punkt dabei ist, objektiv zu bleiben. Ihre Aufgabe ist es, zuzuhören und zu beobachten – nicht, Ihre Website zu verteidigen oder dem Nutzer zu erklären, wie es „richtig“ geht. Wenn Sie es schaffen, den Teilnehmern den Raum zu geben, frei und unbeeinflusst zu handeln, werden Sie Feedback bekommen, das Ihnen keine Analytics-Software der Welt liefern kann. Fangen Sie einfach klein an. Sie werden mit jedem Test besser und lernen unglaublich viel dazu.
Möchten Sie sicherstellen, dass Ihre Website nicht nur gut aussieht, sondern auch wirklich funktioniert und Ihre Unternehmensziele erreicht? Das Team von OCTA MEDIA unterstützt Sie dabei, durch professionelle Analysen und gezielte Optimierungen das volle Potenzial Ihrer digitalen Präsenz auszuschöpfen. Vereinbaren Sie jetzt ein unverbindliches Erstgespräch.
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